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Psyche und Schlaf

Von: Dr. med. Franz Eberhard, Dr. med. Johannes Bauer | 28.08.2013

 „Wie wird die nächste Nacht werden?!  oder „Wie soll ich den nächsten Tag schaffen, wenn ich nicht geschlafen habe?“ Diese Fragen stellen sich über 30 % der erwachsenen Bevölkerung, die unter regelmäßigen Schlafstörungen leiden. Schlafmangel ist ein großes Problem für die Betroffenen. Die unruhigen Nächte beeinflussen den Tag und können zu Leistungsabfall, Depressionen oder sogar zu müdigkeitsbedingten Unfällen führen. Die Schlafbeschwerden selbst sind sehr vielfältig: Nicht einschlafen können, häufiges Kurzerwachen, langes nächtliches Wachliegen, unruhiger, flacher Schlaf, lautes unregelmäßiges Schnarchen, Bewegungsunruhe meist im Bereich der Beine, Früherwachen am Morgen, Gedankenkreisen mit Problemgrübeln oder Planungsgedanken. Dazu kommen dann noch Ärger und Verzweiflung über den gestörten Schlaf.

Schlaf und Gehirn

In den letzten Jahrzehnten haben Wissenschaftler entdeckt, dass beim Schlafen unser Gehirn auf eine ganz besondere Weise aktiv ist. Unser Gehirn mit seinen ca. 100 Milliarden Nervenzellen sendet rund um die Uhr Impulse aus, produziert Wirkstoffe, verschlüsselt und speichert Daten. Das Gehirn profitiert am meisten von einem guten Schlaf. Dies wird daran deutlich, dass das Leistungsvermögen unseres Gehirns kontinuierlich abnimmt, wenn wir über längere Zeit zu wenig schlafen. Erste Anzeichen dafür sind, dass wir uns nur schwer konzentrieren können, es uns an Aufmerksamkeit mangelt und es uns schwer fällt, koordinierte Bewegungen wie etwa das Autofahren auszuführen. Wir werden gereizt und leiden unter einer fast schon qualvollen Müdigkeit.

Die wichtigsten Schlafstörungen

Insgesamt werden 84 Schlafstörungen unterschieden (American Sleep Disorders Association). Die wichtigsten sind: Schnarchen und Schlafapnoe, ruhelose Beine sowie Schlafstörungen bei Depressionen und psychiatrischen Erkrankungen.

Schnarchen und Schlafapnoe

10 – 30 % der Erwachsenen schnarchen im Schlaf. In den meisten Fällen ist das nicht gefährlich. Atempausen während des Schlafes sind jedoch Hinweis auf ein Schlafapnoesyndrom, an dem alleine in Deutschland bis zu 3 Millionen Menschen leiden. Häufigste Form ist die sogenannte „obstruktive Schlafapnoe“. Weil die Rachenmuskeln zu stark erschlaffen und keine Luft mehr durchlassen, kommt es während des Schlafes immer wieder zu Atempausen. Bis zu 2 Min. dauern diese Atemaussetzer, bevor der Schläfer mit einem oft explosionsartigen Schnarchgeräusch nach Luft ringt und weiteratmet. In schweren Fällen können sich diese Atempausen Nacht für Nacht hunderte Male wiederholen. Kein Wunder, dass die so um ihren Tiefschlaf gebrachten Patienten tagsüber wie gerädert sind und nicht selten bei jeder Gelegenheit einnicken. Am häufigsten tritt die Schlafapnoe im Alter zwischen 30 und 60 Jahren auf. Entscheidende Hinweise auf ein Schlafapnoesyndrom liefert bereits das Gespräch mit dem Patienten. Erhärtet sich dabei der Verdacht auf eine Schlafapnoe, ist der nächste Schritt eine Schlaflaboruntersuchung. Dabei verbringen die Patienten mindestens eine komplett „verkabelte“ Nacht: Elektroden messen EKG und Blutdruck, registrieren die Gehirnströme, überwachen Augen und Beinbewegungen und zeichnen jedes Schnarchgeräusch und jede Atempause genauestens auf.

Während es bei leichteren Fällen von Schlafapnoe oft ausreicht, Übergewicht abzubauen, auf Schlafmittel zu verzichten und etwa 3 Stunden vor dem Schlafen gehen keinen Alkohol mehr zu trinken, lässt sich eine ausgeprägte Schlafapnoe meist mit Hilfe einer Maskenbeatmung bessern.
Das Prinzip: Ein Luftstrom, den ein kleiner Kompressor erzeugt, hält die Atemwege offen. Der nötige Druck des Luftstroms wird für jeden Patienten individuell ermittelt. Als Alternative dazu kann versucht werden, die Rückenlage zu verhindern (Schlafrucksack) oder das Zurückfallen des Unterkiefers während des Schlafes mit einer Unterkieferprotrusionschiene (Zahnschiene) zu vermeiden.

Ruhelose Beine (Restless Legs)

Das Syndrom der ruhelosen Beine wird von den Patienten als besonders quälend empfunden. Die Patienten erleben im Sitzen und im Liegen, vor allem aber nach dem Zubettgehen sehr unangenehme Missempfindungen in Form von Kribbeln und Ameisenlaufen in den Beinen. Oft wird das Einschlafen verhindert mit nachfolgender Tagesmüdigkeit und Abnahme der Leistungsfähigkeit. Sogenannte periodische Beinbewegungen treten meist im Schlaf auf und entziehen sich jeglicher Kontrolle und bewussten Steuerung. Die Betroffenen werden durch die Bewegungen beim Einschlafen oder mitten im Schlaf geweckt und fühlen sich am nächsten Tag nicht ausgeschlafen und zerschlagen. Mit einer Schlaflaboruntersuchung können periodische Beinbewegungen festgestellt und ggf. gezielt behandelt werden.

Schlafstörungen bei Depressionen und psychischen Erkrankungen

Fast jede Depression geht mit Schlafstörungen einher. Oft ist das Einschlafen verzögert, und der Schlaf wird durch häufige Unruhe, manchmal auch durch schwere angstbesetzte Träume gestört. Drei Formen werden bei diesen Schlafstörungen unterschieden:

  1. Einschlafstörungen:
    Die Zeit vom Zubettgehen bis zum effektiven Einschlafen ist deutlich verlängert.
  2. Durchschlafstörungen:
    Der Patient wacht nachts auf und hat Mühe, den Schlaf wiederzufinden.
  3. Frühes Erwachen:
    Dieses Zeichen ist ein besonderes Kennzeichen für eine Depression. Die Betroffenen wachen schon in den frühen Morgenstunden auf und können anschließend den Schlaf nicht mehr finden. Bei der schlafmedizinischen Untersuchung lassen sich hierbei typische Veränderungen finden: Der Tiefschlaf ist vermindert und der REM-Schlaf wird in die erste Nachthälfte vorverschoben: Unruhige Träume sind die Folge. Die Stresshormone (insbesondere Cortisol) sind bei der Depression deutlich erhöht und tragen wesentlich zur Schlafstörung bei.

Schlafmedizinische Untersuchungen

Wird eine Schlafstörung vermutet, kann in einer dafür ausgestatteten Klinik während eines stationären Aufenthaltes eine umfangreiche klinische und technische Untersuchung des Schlafes (Polysomnographie) durchgeführt werden. Die nötigen Geräte und Verkabelungen werden am Vorabend angebracht. Der Patient schläft damit in seinem eigenen Zimmer, die Auswertung erfolgt am folgenden Tag. Gegebenenfalls notwendige Therapien wie Schlafhygiene, medikamentöse Behandlung, Schlafrucksack oder die Einleitung einer Maskenbeatmung können besprochen und auf Wunsch eingeleitet werden.

Dr. med. Franz Eberhard
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Facharzt für Neurologie, Psychotherapeut

Dr. med. Johannes Bauer
Facharzt für Innere Medizin
Angiologe, Diabetologe DDG, Ernährungsmediziner

Autoren:

Dr. med. Franz Eberhard

Chefarzt Abteilung 3
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Facharzt für Neurologie, Verkehrsmedizin, Hypnose

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Dr. med. Johannes Bauer