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Dauerausstellung Skulpturengarten

… im Innenhof des Sigma-Zentrums

Im Innenhof des Sigma-Zentrums wurden schon vor einigen Jahren Holzskulpturen aufgestellt. Doch welche Bedeutung steckt dahinter? Woher stammen diese Skulpturen? Eine Kurzinformation wird im Folgenden dargestellt. Ausführlichere Informationen zu den einzelnen Skulpturen sind auf sechs Tafeln in der Wandelhalle im Sigma-Zentrum zu finden.

Herkunft und Kultur
Die Herkunft dieser Skulpturen ist Ost- Indonesien, ein Kulturraum, in dem noch ein Bewusstsein über die eigene ursprüngliche Weltvorstellung lebendig und zum Teil sichtbar erhalten geblieben ist, trotz geistigem Wechsel in monotheistische Glaubensformen und Übernahme von westlichen Wertvorstellungen in neuerer Zeit. Die eigenen ursprünglichen Kulturwurzeln noch bildhaft erinnernd bis in die heutige Zeit der Schnelllebigkeit mit ihren flüchtigen und bewegten Bildern, davon zeugen diese Skulpturen.

Material, Formen und Symbole
Gearbeitet wurden sie aus einem Stamm, meist aus dem sehr harten Holz des Kayu Merah (Rotholz) Baumes. Auch wegen seiner Größe „Schatten spendender Baum“ genannt. Die Skulpturen wurden vermutlich einem Vorbild nachgearbeitet; von verschiedenen Bildhauern mit unterschiedlichen handwerklichen Fähigkeiten, individueller Ausdruckskraft und Interpretation gestaltet. Viele der Figuren machen den Eindruck, als tragende Säule eines Gebäudes gedient zu haben, erkennbar an einigen Formen der Kopfbedeckungen. Dargestellt ist der Mensch, Frau und Mann, keine Götter. Es wird nicht der Mensch in seiner ästhetischen Erscheinung mit den natürlichen Körpermaßen abgebildet, der Gestaltungswille ist, ein Unsichtbares, Ahnendes, ein inneres Erleben im Bildwerk zu verkörpern. Diese Künstler bilden kein Gesicht ab, sondern schaffen eine Physiognomie – sie stellen nicht das Auge
dar, sondern erschaffen die Kraft des Blickens. Stilisierend formen sie den Körper, hockend oder stehend mit leicht gebeugten Knien, und schaffen damit bewusste Ausdruckskraft, erzeugen unaufdringliche Stille, ruhige Präsenz. Wesentliches soll zum Vorschein kommen. Jede Skulptur ist aus einem Stamm herausgearbeitet. Der Wuchs des Baumes wurde in seiner natürlichen Lebensbewegung belassen und verleiht den Werken dadurch individuellen Ausdruck. Die großen Skulpturen sind in ihrem Aufbau in drei Bereiche geordnet.
Der untere Bereich dieser Dreigliederung mit dem Kontakt zur Erde ist naturbelassen, die Maserung und die Form des Stammes kommen zum Ausdruck. Hier findet kein Eingriff statt, das Naturhafte selbst ist formgebend. Der Mittelteil dient der Formen- und Symbolsprache, ein Aspekt von bewusstseinsbildender Ausdruckskraft wird sichtbar, Mitteilungsraum für den Menschen entsteht. Im dritten und obersten Teil wird der unverhüllte Mensch selbst dargestellt, Mann wie Frau, ohne Unterschied, teils mit Symbolen im Brustbereich oder Stirn, teils mit Symbolen verzierter Kopfbedeckung versehen.

Wirkung
Die stille Ausdruckskraft dieser Skulpturen mit ihrer Symbolik und der in ihrer Schlichtheit ansprechenden figürlichen Darstellung von Frau und Mann wirkt, als ob sie etwas zu erzählen hätten, was jenseits gedachter Funktionen liegt. Die Darstellung der Figuren in ihrer Nacktheit lässt sie nicht schutzlos wirken. Ihr unverhüllter Eindruck zum Betrachter kann ihn eher irritieren. Ist ihr Blick leer oder nach innen gerichtet, ausdruckslos oder mich als Betrachtenden durchdringend? Sie wirken, als ob sie sich durch keine Affekte oder Emotionen beeindrucken lassen, können aber auch grimmig schauen. Manche Skulptur schenkt einem ein stilles Lächeln, bisweilen ist ein Schmunzeln sichtbar, über was oder wen? Ihre Haltung verrät keine Anzeichen von Angestrengtheit, Angst oder Angespanntheit. Ihr leichtes Beugen in den Knien oder die hockende Position vermitteln den Eindruck bewusster Körperempfindung. Viele Zeichen und Darstellungen an den Skulpturen bleiben hier unbenannt, vieles ist nicht benennbar, aber im unmittelbaren Betrachten erlebbar. Alle Beschreibungen der Formen, Symbole und deren möglicher Sinngehalt, Assoziationen sowie subjektive Empfindungen, sollen nur eine Brücke sein, mit Aufforderungscharakter, sich der Bildgestalt betrachtend gegenüberzustellen – offen und unvoreingenommen die eigenen Empfindungen und Gedanken im Dazwischen aufkommen zu lassen und diesem den ganz eigenen Wert beizumessen.

Mehr Informationen zu den Holzskulpturen mit ihren Formen und den eingearbeiteten Symbolen, finden Sie auf den Foto-Tafeln in der Wandelhalle.

Text: Klaus Kammerer

 

Gestrickte Accessoires:
Eine strickbegeisterte Patientin zeigte sich während der Corona- mHochphase kreativ und verpasste den Skulpturen schicke Accessoires aus feinster Wolle.

Skulpturengarten
Skulpturengarten
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